Wie finde ich eigentlich einen guten Fotografen?

Zu den Zeiten der analogen Fotografie (das waren Kameras mit einem Film drin) gab es Berufsfotografen, die deckten so ziemlich das
ganze Spektrum der Bilderwelt ab: Hochzeitsfotografie, das Gruppenfoto zum Schulanfang, die Reportage der Taufe, das geschniegelte
Familienbild für die Oma und natürlich auch das Passfoto (worauf man noch freundlich schauen durfte.

Die Zeiten sind vorbei, denn heute kann jeder ungeübte mit einer digitalen Knipskiste scharfe und richtig belichtete Fotos herstellen.
Noch nie wurde soviel fotografiert wie heute (Handy sei Dank), aber es wurde auch noch nie so viel Optik-Schrott produziert.

Wer sich einmal für eine Stunde in ein Großlabor stellt und dort die endlos laufenden Schlagen der Amateur-Bilder an sich vorbeiziehen
sieht, der muss schon nach kurzer Zeit ernsthaft um seine Netzhaut fürchten - soviel Banalitäten mit abgeschnittenen Gliedmaßen und
viel zu dunklen Kaffee- Kränzchen- Bilder sieht man selten.

Dabei liegt es nicht an den Kameras, die sind in der Regel gut genug. Es liegt eher an den Personen, die die komplizierten Geräte bedienen. Es ist nicht unüblich, dass heute eine Gebrauchsanleitung mehr wiegt als die Kamera selbst. Viel wichtiger als das Beherrschen der Technik ist jedoch, die gestalterische Seite der Bilder. Auch ein fotografischer Laie erkennt sofort, wann ein Foto durch eine ausgewogene Gestaltung auffällt.

Das fängt schon beim Anordnen von Personen bei der Gruppenaufnahme an: wohin mit den Händen? Wer steht wo? Sitzen, oder besser stehen? Welchen Hintergrund wählen? Von wo kommt die Sonne?
Das alles hat mit Fotografie wenig zu tun, wohl aber mit Gestaltung. Und genau das ist die Hauptaufgabe des Profis - er ist sozusagen
der Gestaltungsprofi, die dann am Schluss noch ein Foto macht.

Heute darf sich jeder Fotograf nennen - das macht die richtige Wahl schon schwierig. Seien Sie besonders misstrauisch, wenn Sie im
Internet auf Fotografen stoßen, die kein eigenes Studio haben. Das sind meist Gelegenheits- Knipser mit einer festen Anstellung als
Bäcker, Metzger oder Studenten, die Ihnen das Blaue vom Himmel versprechen, aber selten halten können. Recht häufig sind die schönen
Fotos auf den Internetseiten aus einem Bildarchiv zusammengekauft und keineswegs selbstgemacht.

Suchen Sie einen Fotografen, mit dem Sie vor den Aufnahmen reden können. Stellen Sie sich vor das Schaufenster und versuchen Sie
herauszubekommen wo der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt. Finden sich vor allem Kameras und Bilderrahmen im Fenster, wissen Sie, dass es
sich um einen Fotohändler handelt, der auch fotografiert.

Finden Sie ein Schaufenster mit dem Schwerpunkt auf Bildern, dann liegen Sie meist richtig. Doch auch hier gibt es gewaltige
Unterschiede: wenn Sie tolle Hochzeitsfotos vorfinden, dann muss das nicht zwingend heißen, dass Sie von diesem Fotografen auch ein
aussagekräftiges Bewerbungsfoto erhalten.

Suchen Sie das persönliche Gespräch, lassen Sie sich echte Aufträge oder Muster zeigen. Sie finden dann schnell selbst heraus, ob Sie einen kompetenten Spezialisten angetroffen haben. Ähnlich wie bei den Ärzten (Hals, Nasen Ohren...) haben sich die Berufsfotografen spezialisiert. Auch die Ausrüstung ist speziell auf die Bedürfnisse der jeweiligen Kundenwünsche abgestimmt: für gelungene Babyfotos hat man eine andere Ausrüstung, als für die Hochzeitsfotos in blühender Parklandschaft. Fotoreportagen in der Kirche stellen auch für den Profi eine Herausforderung dar: einerseits sind Kirchen oft recht dunkel und der Fotograf sollte bei der Trauung so wenig wie nur möglich stören, trotzdem aber das unwiederbringliche Ereignis des
Ring- Tauschens sicher und schön auf den Chip bannen.

Einmal bekam ich einen Auftrag vom Vorsitzenden eines Fotoclubs, seine Hochzeit zu fotografieren - seine Clubfreunde hatten sich alle
geweigert, das Risiko auf sich zu nehmen und damit eine Freundschaft aufs Spiel zu setzen!

Als öffentlich bestellter und vereidigter Gutachter der Handwerkskammer zu Köln bekomme ich öfters Fotoserien zu sehen, weil die
Hochzeitspaare mit den geleisteten Arbeiten des Fotografen nicht zufrieden waren und vor Gericht das Honorar einklagen wollten.
In fast allen Fällen waren die Arbeiten tatsächlich so miserabel, dass mir die Hochzeitler echt leid taten. Immer waren es selbsternannte "Fotografen", die übers Internet billig die Dienste angeboten hatten. Pech gehabt? Nein - die falsche Wahl getroffen!

Damit Ihnen so was nicht passiert, vergleichen Sie bitte nicht nur die Preise, sondern vor allem die Leistung. Bei "Paketen", wie sie häufig angeboten werden, sollten Sie besonders hellhörig sein. Neulich las ich eine Anzeige in der sinngemäß folgendes zu lesen war:
"Chauffeur mit Oldtimer, der auch Ihre Hochzeit fotografiert hat noch Termine frei". Das geht bestimmt in die Hose!

 

Tom Pochert